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Die Windows-Kommandozeile: Tipps & Tricks für Anfänger

Viele Anwender rühren die Eingabeaufforderung und die Powershell von Windows erst gar nicht an. Die Eingabe von Befehlen und Parametern erscheint ihnen zu nerdig und kompliziert, stattdessen klicken sie sich lieber per Maus durch das Betriebssystem. Dabei wird jedoch häufig übersehen, dass es eine ganze Reihe von Befehlen gibt, die sich ausschließlich in den beiden textbasierten Programmen umsetzen lassen. Ferner lassen sich über die Kommandozeile viele andere Aktionen erheblich einfacher und schneller erledigen.

Kommandozeile, Powershell und die Eingabeaufforderung 

Doch was ist nun eigentlich die Kommandozeile? Wie verhält sie sich zur Eingabeaufforderung und zur Powershell? Als Kommandozeile bezeichnet man den Eingabebereich für die Steuerung einer Software, in das Sie Befehle eintippen. In Windows sind das also zunächst nur die Fenster. Die Kommandozeile stammt noch aus der Unix-Welt. Eingabeaufforderung und Powershell sind dagegen Kommandozeilen-Interpreter, Programme also, die eine Kommandozeile bereitstellen und die dort eingegebenen Befehle ausführen können. Wie sich wiederum Eingabeaufforderung und Powershell unterscheiden, erfahren Sie aus dem Kasten am Ende des Artikels.

Beide Programme rufen Sie am einfachsten über das Suchfeld in der Taskleiste auf: Tippen Sie cmd ein (für den Dateinamen cmd. exe, der sich wiederum von „command“ ableitet), um die Eingabeaufforderung zu öffnen. Über die Eingabe powershell erreichen Sie die Windows Powershell. Beide Anwendungen werden per Voreinstellung nur mit normalen Benutzer- und nicht mit Administratorrechten gestartet, Änderungen am System sind somit zunächst tabu. Davon sollten Sie auch nicht grundsätzlich abweichen, um versehentliche Fehlkonfigurationen oder Beschädigungen von Windows zu vermeiden.

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Beim Arbeiten mit Administratorrechten ist sowohl in der Eingabeaufforderung (links) als auch in der Windows Powershell (rechts) etwas Vorsicht geboten.

Nur bei tatsächlich notwendigen Arbeiten an den Systemdateien – und wenn Sie genau wissen, was Sie tun – wechseln Sie in den Administratormodus: Dazu klicken Sie den Eintrag für die Eingabeaufforderung beziehungsweise die Powershell in der Trefferliste des Startmenüs mit der rechten Maustaste an und wählen „Als Administrator ausführen“. Behalten Sie dabei jedoch immer im Hinterkopf, dass beide Programme machtvolle Werkzeuge sind und auf der Kommandozeile viele Sicherungsmechanismen der grafischen Oberfläche nicht existieren. So löscht beispielsweise der Befehl

del

Dateien von der Festplatte, ohne sie zunächst in den Zwischenspeicher des Papierkorbs zu verschieben.

Die Eingabe eines Befehls auf der Kommandozeile ist einfach: Sie tippen das Kommando ein und schließen die Eingabe mit der Enter-Taste ab. Oft steht hinter dem Befehl noch die Angabe des Objekts, auf das er sich beziehen soll, beispielsweise 

del test.txt

Hinzu kommen Parameter, die durch einen Schrägstrich gekennzeichnet sind. Mit

del /f test.txt

etwa können Sie die Datei test.txt auch dann löschen, wenn diese schreibgeschützt ist.

Bei der Powershell sehen die Befehle ein wenig anders aus. Sie heißen hier cmdlets, gesprochen Command-lets, und setzen sich immer aus einem Verb und einem Substantiv zusammen, die durch einen Bindestrich getrennt werden, beispielsweise Get-Host oder Move-Item. Im Unterschied zur Eingabeaufforderung müssen Sie in der Powershell auf die Groß- und Kleinschreibung achten.

Powershell:

7 Profi-Tricks für Windows

Dateiaktionen in der Directory: Löschen, Kopieren und Backups

Einer der am häufigsten verwendeten Befehle der Eingabeaufforderung ist dir (für „Directory“, also „Verzeichnis“). Mit ihm können Sie sich den Inhalt eines Ordners auflisten lassen. Damit auch die Unterverzeichnisse berücksichtigt werden, verwenden Sie

dir /s

. Damit erzeugen Sie oft eine sehr lange Liste von Dateien, die blitzschnell durch das Fenster der Eingabeaufforderung rauscht. Um die einzelnen Zeilen überhaupt studieren zu können, können Sie mit dem Parameter /p nach jeder vollen Bildschirmseite eine Pause erzwingen. Der vollständige Befehl heißt dann also

dir /s /p

.

Am wertvollsten sind Eingabeaufforderung und Powershell immer dann, wenn sie Befehle zur Verfügung stellen, die es in der grafischen Bedienoberfläche von Windows entweder nicht gibt oder die dort deutlich umständlicher arbeiten. Dazu zählt beispielsweise das Löschkommando

del

. So können Sie etwa mit del *.jpg sämtliche JPEG-Dateien in einem Ordner auf einen Schlag entfernen. Mit del *.* löschen Sie hingegen alle Files im aktuellen Ordner. Anstatt del können Sie ebenso den Befehl erase verwenden.

Zum Kopieren von Dateien und Verzeichnissen bringt das Betriebssystem das Programm xcopy mit. Damit können Sie eine komplette Verzeichnisstruktur in einen beliebigen anderen Ordner klonen – und zwar wirklich nur die Struktur, also ohne die enthaltenen Dateien. Das sieht dann beispielsweise so aus:

xcopy c:test /t /e c:temp

. Der Parameter

/t

bewirkt, dass die in den Verzeichnissen enthaltenen Dateien außen vor bleiben. Mit /e legen Sie fest, dass auch Unterordner von

c:test

kopiert werden.

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YARCGUI macht das Arbeiten mit dem Backup-Tool Robocopy komfortabler.

Zum Sichern von Dateien und Ordnern gibt es aber etwas Besseres als

copy

oder

xcopy

. Mit dem seit Vista in Windows enthaltenen robocopy können Sie ein Backup eines Ordners und seiner Unterordner anlegen. Es bricht den Kopiervorgang bei Fehlern nicht ab, sondern versucht, ihn in mehreren Durchgängen zum Erfolg zu führen. Außerdem beherrscht das Programm inkrementelle Backups, kopiert also lediglich die Dateien, die im Zielverzeichnis noch nicht vorhanden sind. Alles, was Sie dazu benötigen, ist der Befehl 

robocoy c:temp d:backup /MIR

Robocopy bringt Dutzende Parameter mit, was das Tool recht unübersichtlich macht. Mit

YARCGUI

ist jedoch eine deutschsprachige, grafische Bedienoberfläche verfügbar, die das Zusammenstellen des Kopierauftrags per Maus erlaubt. Außerdem können Sie damit längere Befehlszeilen von Robocopy speichern und später einfach wieder aufrufen.

So arbeiten Sie mit Batchdateien

Mit Batchdateien können Sie mehrere Befehle der Eingabeaufforderung hintereinander ausführen. Sie legen damit ein einfaches Skript an, mit dem sich häufig wiederkehrende Aufgaben automatisieren lassen. Ein Beispiel ist etwa ein Skript, mit dem Sie alle Dateien und Unterverzeichnisse eines Ordners in einen zweiten auf einer anderen Partition kopieren. Dieser sieht folgendermaßen aus: 

@echo off 

xcopy c:Test d:Sicherung /d /e /y /i

Die Zeile „@echo off“ bewirkt, dass die Aktionen des Befehls auf dem Bildschirm nicht sichtbar sind. Dann erfolgt die Sicherung per „xcopy“, der „pause“-Befehl lässt das Skript am Schluss zur Bestätigung auf das Drücken einer beliebigen Taste warten.

Batchdateien schreiben Sie am besten mit einem Tool wie dem Windows-Editor. Damit das Betriebssystem weiß, dass es sich um ein Skript handelt, versehen Sie das File mit der Endung cmd. Dann genügt ein Doppelklick auf die Datei, um die enthaltenen Befehle auszuführen. 

Details zur Netzwerkkonfiguration mit ipconfig, ping & Co.

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ipconfig zeigt über den Zusatzparameter /all sehr detaillierte Informationen.

Die Windows-Netzwerkeigenschaften sind fast immer mehrere Mausklicks weit entfernt. Wenn Sie sich nur schnell einen Überblick über die aktuelle Konfiguration verschaffen wollen, sind Sie mit dem Befehl

ipconfig

am schnellsten am Ziel. Dieser liefert die IPv4- und IPv6-Adressen der Netzwerkadapter Ihres PCs, die zugehörige Subnetzmaske und die Adressen des Standard-Gateways, meist also die des Routers. Ausführlichere Informationen liefert das Kommando ipconfig /all.

Ein weiteres nützliches Werkzeug ist der Befehl ping. Er schickt ein kleines Datenpaket an einen Adressaten und misst die Zeit, bis von dort eine Antwort eintrifft. In der Voreinstellung von Windows wird dieser Vorgang vier Mal wiederholt. Sie können mit ping sowohl eine IP-Adresse wie auch eine URL im Internet ansteuern – probieren Sie beispielsweise

ping www.google.de

. Auf diese Weise stellen Sie fest, ob die Internet-Verbindung eines Rechners funktioniert. Das Tool eignet sich auch, um zu erfahren, ob ein bestimmter Rechner in Ihrem Heimnetz grundsätzlich erreichbar ist oder ob eventuelle Netzwerkprobleme auf eine fehlerhafte Konfiguration zurückzuführen sind. Tippen Sie dazu

ping [IP-Adresse]

ein.

Windows 10:

Die wichtigsten Hotkeys & Shortcuts

Windows automatisch reparieren und Festplatte neu partitionieren

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Welche Möglichkeiten Diskpart bietet, listet wie üblich der cmd-Befehl /? auf.

Wenn das Betriebssystem beschädigt wurde, etwa weil Systemdateien aufgrund eines unvollständigen Bootvorgangs defekt sind oder fehlen, stellen Eingabeaufforderung und Powershell einige Befehle bereit, mit denen Sie das Betriebssystem wieder auf die Beine bringen.

Mit SFC, die Abkürzung steht für „System File Check“, können Sie die Systemdateien überprüfen und defekte wieder durch die unbeschädigten Versionen ersetzen. Dazu müssen Sie die Eingabeaufforderung mit Administratorrechten starten: Tippen Sie

cmd

in das Suchfeld der Taskleiste, klicken Sie den Eintrag „Eingabeaufforderung“ mit der rechten Maustaste an und wählen Sie „Als Administrator ausführen“. Geben Sie nun

sfc /scannow

ein und lassen Sie das Programm die Systempartition scannen. Falls es dabei Fehler entdeckt, versucht es, diese selbstständig zu reparieren.

Ein zweites Reparaturkit für die Kommandozeile nennt sich DISM, Deployment Image Servicing and Management. Es überprüft die vorhandene Installation auf Fehler und kopiert falls erforderlich die Systemdateien erneut auf die Festplatte. DISM erfordert ebenfalls Administrator-Berechtigungen. Sie starten es mit dem Befehl 

dism /Online /Cleanup-Image /ScanHealth

Falls das Tool nach dem Prüflauf Fehler meldet, können Sie versuchen, diese mit dem Kommando 

dism /Online /Cleanup-Image /RestoreHealth 

zu beheben. Starten Sie den Rechner abschließend neu.

Zum Schluss sei noch das Windows-eigene Partitionierungstool Diskpart erwähnt, das auf der Ebene der Kommandozeile ebenfalls viele Möglichkeiten bietet. Mehr Informationen zu Diskpart lesen Sie

hier
.

Powershell und Eingabeaufforderung

Windows enthält gleich zwei Kommandozeilen-Tools – warum eigentlich und wo liegen die Unterschiede zwischen beiden? Beim ersten Öffnen der beiden Programme erkennt man zunächst nur, dass der Hintergrund einmal blau und einmal schwarz ist. Dies dient zur besseren Unterscheidung. Erst auf den zweiten Blick treten die Vorteile der Powershell zutage.

Die Eingabeaufforderung ist ein Überbleibsel aus den Zeiten, als Windows lediglich eine grafische Bedienoberfläche für MS-DOS war. Die meisten Befehle sind daher einfache DOS-Kommandos. Sie eignen sich kaum, um den PC zu administrieren. Auch das Anlegen von Skripten, also automatisch ablaufenden Befehlsfolgen, ist hier nur beschränkt möglich.

Die Powershell führte Microsoft deshalb ein, um mit den erweiterten Möglichkeiten der Kommandozeile in Linux mithalten zu können. Sie bietet die notwendigen Befehle, um einen Computer komplett zu administrieren, arbeitet objektorientiert und besitzt eine an C angelehnte Skripting-Sprache. Da die Powershell auch sämtliche Befehle der Eingabeaufforderung versteht – umgekehrt gilt das nicht –, ist damit zu rechnen, dass sie sie mittelfristig komplett ablösen wird. 

Übrigens:

Sie können leicht von einem Programm zum anderen wechseln, indem Sie in der Eingabeaufforderung

powershell

eintippen beziehungsweise in der Powershell

cmd

eingeben.

Die wichtigsten Eingabebefehle

Befehl

Operation

cd

Verzeichnis wechseln

chkdsk

Datenträger überprüfen

cls

Bilchschirmausgabe löschen

color

Konsolenfarbe ändern

comp

Dateninhalte

compact

Komprimierung von Dateien anzeigen / ändern

copy / xcopy

Dateien kopieren

del / erase

Löscht eine oder mehrere Dateien

dir

Verzeichnisinhalt anzeigen

dism

Systemdateien reparieren

expand

Dateien entpacken

fc

Dateien vergleichen und die Unterschiede anzeigen

ftp

Dateien zu einem FTP-Server übertragen

ftype

Dateityp und Zuordnung anzeigen

getmac

MAC-Adresse anzeigen

hostname

Computername anzeigen

ipconfig

IP-Netzwerkeinstellungen anzeigen

label

Datenträgerbezeichnung ändern

mkdir

Verzeichnis anlegen

move

Dateien verschieben / umbenennen

netsh

Netzwerkkomponenten konfigurieren / steuern / anzeigen

netstat

TCP IP-Verbindungen und Status anzeigen

nslookup

DNS-Server abfragen

pathping

Verbindung zu einer bestimmten IP-Adresse testen

ping

Pingt ins Netzwerk

reg

Registrierungseinträge hinzufügen / lesen / importieren / exportieren

rename

Dateien umbenennen

replace

Dateien ersetzen

rmdir /rd

Verzeichnis löschen

robocopy

Verzeichnisse klonen

runas

Programm als ein anderer Benutzer starten

sfc

Systemdateien überprüfen

shutdown

PC herunterfahren

taskkill

Prozesse beenden

tree

Ordnerstruktur grafisch anzeigen

type

Inhalt von Textdateien anzeigen

ver

Version des Betriebssystems anzeigen

w32tm

Zeitserver / Zeitzone einstellungen

whoami

Computernamen und aktuellen Benutzer anzeigen

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