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Virenschutz im Test: Gratis gegen teuer

Arne Arnold

Wir haben fünf kostenlose Antivirenprogramme gegen das beste Bezahlprogramm antreten lassen und wollten wissen: Welches Tool schützt einen PC am besten vor Schädlingen? Die Überraschung: Zwar gewinnt das Bezahlprogramm, aber nur ganz knapp.

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Gratis gegen teuer – Virenschutz-Software im Vergleich

© © Rawpixel.com – AdobeStock

Leser fragen die PC-WELT immer wieder: Genügt beim Virenschutz ein Gratis-Tool oder muss ich eine Bezahl-Software kaufen? Die Antwort auf diese Frage wurde in den vergangenen Monaten noch einmal spannender, da das kostenlose Bordmittel von Windows, der Windows Defender, zuletzt in Antivirentests immer besser abschnitt und sich als vorinstallierte Alternative zum Bezahlprogramm anbot. Damit wir die Frage „gratis gegen teuer“ aktuell gut beantworten können, haben wir fünf kostenlose Antivirenprogramme gegen den vielmaligen Testsieger der vergangenen Jahre antreten lassen. Das Kaufprogramm

Kaspersky Internet Security
hat in der Vergangenheit zwar nicht jeden Test in der PC-WELT gewonnen, aber die meisten. Außerdem gibt es das Tool auch in der besonders gut ausgestatteten Variante Kaspersky Total Security. Ein guter Funktionsumfang zählt zu den Pluspunkten von Kaufprogrammen, da die Hersteller bei den Freeware-Versionen ihrer Antivirentools oft genau daran sparen. So finden Sie im Test die sechs Programme

Avast Free Antivirus
,

AVG Antivirus Free
,

Avira Free Security Suite
,

Kaspersky Internet Security
(kostenpflichtig),

Panda Free Antivirus
und Windows Defender. 

Relevant:

Ist mein PC infiziert? So erkennen Sie Angriffe

Testaufbau: Virenschutz und Funktionsumfang 

Die Programme müssen sich in den Bereichen Virenschutz und Funktionsumfang beweisen. Wobei der Funktionsumfang mit nur 10 Prozent in die Gesamtnote einfließt. Beim Test für den Virenschutz greifen wir auf gleich drei anerkannte Antivirenlabore zurück (siehe Kasten und Tabelle unten). Die Ergebnisse aus jedem Labor fließen mit je 30 Prozent in die Gesamtnote mit ein.

Erklärungsbedürftig ist der Umstand, dass ein und dasselbe Programm bei verschiedenen Testinstituten unterschiedlich gut abschneidet. Der Grund: Es tauchen laufend neue oder stark veränderte Viren im Internet auf. Die Tester wählen aus diesen Schädlingen ein paar aus und lassen sie auf die Testkandidaten los. Mal kommt ein Antivirenprogramm mit den neuen Schädlingen besser zurecht, mal schlechter. Je nach Auswahl der Schädlinge kann ein Programm deshalb unterschiedlich abschneiden. Man muss dabei bedenken, dass jeden Tag zwischen 300.000 und 400.000 unterschiedliche Viren entdeckt werden. In den Testlaboren werden davon nur einige Dutzend bis einige Hundert dieser Schädlinge genau getestet.

Auf eine Bewertung der Bedienung haben wir bei diesem Test verzichtet. Zwar unterscheiden sich die Bedienerführungen der getesteten Programme teilweise deutlich, doch in den Grundzügen sind hier alle Programme gleich: Jedes Programm ist sowohl einfach als auch kompliziert. Einfach sind die Programme bei Installation und täglicher Nutzung. Sie installieren das Antivirenprogramm und lassen es ohne weiteres Zutun seine Arbeit verrichten. Meistens hören Sie nichts von dem Tool, und wenn doch mal ein Schädling auftaucht, dann folgen Sie den Anweisungen des Programms. Sobald Sie aber in die Einstellungen der Tools schauen, werden sie allesamt kompliziert und sind nur von fortgeschrittenen Anwendern richtig einzustellen.

Testsieger: Kaspersky und Windows Defender / Sicherheit

Kaufprogramm: Kaspersky konnte auch in diesem Test mit der besten Leistung im Virenschutz den ersten Platz erringen. Mit der Note 1,33 in der Kategorie Virenschutz schnitt die

Kaspersky Internet Security
am besten von allen Programmen ab. Auch bei den Zusatzfunktionen bietet Kaspersky am meisten, besonders dann, wenn man zu der teureren Version Kaspersky Total Security greift. Darum gilt weiterhin: Wer den bestmöglichen Virenschutz für seinen PC haben möchte, der braucht ein Bezahlprogramm. Die kostenlosen Tools sind dem Klassenprimus allerdings auf den Fersen.

Gratis-Schutz:

Auf den zweiten Platz und als bestes Gratis-Tool landet das Bordmittel von Windows 10, der

Windows Defender

, der seit Windows 10 1903 „Windows Sicherheit“ heißt. Das Programm erringt in der Kategorie Virenschutz die Note 1,75 und liegt damit nur knapp hinter Kaspersky. Das größte Sicherheitsproblem von Windows Sicherheit waren sehr viele Fehlalarme im Test von AV-Comparatives. Ohne diese Schwäche hätte das Tool die Virenschutz-Note 1,44 erzielt und wäre noch näher an Kaspersky gelegen. Dazu schneidet Windows Sicherheit beim Funktionsumfang gar nicht mal so schlecht ab, wenn man die weiteren Sicherheitstools von Windows mit dazuzählt. Das sind etwa das Online-Backup in der Microsoft-Cloud, der bootfähige Antiviren-USB-Stick mit

Windows Defender Offline
 oder die Kindersicherung von Microsoft. Wer einen kostenlosen, guten Virenschutz sucht, ist derzeit mit „Windows Sicherheit“ alias Windows Defender gut beraten. 

Gewinner und Verlierer im Test „gratis gegen teuer“ 

Gewinner: Das Kaufprogramm

Kaspersky

konnte sich erneut in diesem Vergleich mit jeweils der besten Gesamtleistung bei Virenschutz und Funktionsumfang den ersten Platz sichern. Perfekt ist aber auch Kaspersky nicht, wie die Untersuchung vom Testlabor SE Labs zeigte. Dort schnitt Kaspersky mit 98 Prozent Gesamtleistung nicht nur zwei Prozentpunkte unter dem bestmöglichen Ergebnis von 100 Prozent ab, sondern liegt auch einen Prozentpunkt hinter dem Ergebnis von Windows Defender. Der Vorsprung von Kaspersky beim Virenschutz ist also vorhanden, aber nicht sehr groß. Weitere Details zu Kaspersky finden Sie im Kasten unten. 

Übrigens:

Im Test nennen wir beim Funktionsumfang auch das Programm

Kaspersky Total Security
. Es bietet mehr Funktionen, ist aber beim Virenschutz identisch mit Kaspersky Internet Security.

Der

Windows-Defender

ist das Bordmittel von Windows 10 und zeigte in den Virenschutztests eine gute bis sehr gute Leistung. Details zum Defender finden Sie ebenfalls im Kasten. Außerdem spricht die einfache Bedienung für den Windows Defender. Er bietet insgesamt sehr wenige Einstellmöglichkeiten, weshalb man sich beim reinen Virenschutz kaum verlaufen kann. Erst wenn man die weiteren Funktionen aus dem Bereich „Windows Sicherheit“ nutzen möchte, etwa „Gerätesicherheit“ oder „App & Browsersteuerung“ wird es kompliziert.

Die Freeware

Avast

schneidet mit einer Gesamtnote von 2,19 ebenso wie der Defender mit „Gut“ ab. Damit ist das Tool die beste Alternative für jene Nutzer, die ein kostenloses Antivirenprogramm suchen, aber nicht zum Tool von Microsoft greifen möchten.

Siehe auch:

Die 11 besten Online-Scanner

Verlierer:

Die übrigen drei kostenlosen Programme schneiden jeweils nur mit einem „Befriedigend“ ab. Auf dem letzten Platz landet die beliebte Software

Avira Free Security Suite

. Das macht das Tool eher nicht empfehlenswert. Allerdings war das Avira-Programm auch nur bei einem der drei Prüflabor im Test und konnte sich entsprechend auch nur mit einer recht kleinen Stichprobe an Schädlingen beweisen. Wir werden so bald wie möglich einen weiteren Blick auf die Testergebnisse von Avira Free Security Suite werfen und darüber berichten.

Fazit:

Auch nach diesem Test lautet die Empfehlung: Den besten Schutz liefert immer noch ein Bezahlprogramm. Doch ist der Unterschied beim Virenschutz nicht mehr so groß wie in früheren Jahren. Wer sich also gut am PC und im Internet auskennt und nicht so leicht auf die vielen Tricks der Virenverbreiter hereinfällt, kann sich auch mit einem Gratis-Programm gut schützen.

Und die Überraschung des Tests lautet: Der Windows Defender ist ein gutes und ernst zu nehmendes Antivirenprogramm. Denn seine Leistung konnte nicht nur in diesem Test überzeugen, sondern war auch schon die vergangenen knapp zwei Jahre meist gut und auch mal sehr gut. 

So testen die Antiviren-Spezialisten

Die Antiviren-Testlabore untersuchen nur selten kostenlose Antivirenprogramme. So testet beispielsweise AV-Test nur die Programme

Avast Free Antivirus
und den Windows Defender. Und die Freeware

Panda Free Antivirus
wird alleine nur von einem Labor (AV-Comparatives) geprüft. Darum haben wir die Testergebnisse der drei wichtigsten Antiviren-Prüflabore in Europa zusammengetragen und in einem einzigen Test zusammengestellt. Das sind die drei Prüflabore: 

AV-Comparatives, www.av-comparatives.org 

Das Sicherheitslabor AV-Comparatives sitzt in Österreich und testet seit rund 20 Jahren Antivirenprogramme für Privatanwender wie für Firmen. AV-Comparatives bewertet die Antivirenprogramme nach Fehlalarmen (False Positive) und „Gesamtleistung Erkennung“ (Protection Rate). In diese Protection Rate fließen die Werte aus „Erkennung von 752 Schädlingen“ und der „Zahl der nöti – gen Nutzeraktionen bei der Schädlingserkennung“ ein. Deshalb haben wir diese beiden Werte nicht benotet, sondern nur den Wert „Gesamtleistung Erkennung“. Info: Der Wert von 46,5 Fehlalarme beim Windows Defender kommt zustande, da AV-Comparatives manche Arten von Fehlalarmen nur zur Hälfte zählt. Der Testzeitraum war Februar bis Mai 2019. Sie finden den kompletten Test mit insgesamt 16 Produkten

hier
.

AV-Test, www.av-test.org 

Das weltweit bekannte Prüfinstitut für Antivirenprogramme AV-Test befindet sich in Magdeburg. PC-WELT nutzt die Testergebnisse von AV-Test seit dem Jahr 2001 meist mehrmals pro Jahr. Die Tester von AV-Test untersuchen die Leistung von rund 20 Antivirenprogrammen für Windows fortlaufend und fassen die Ergebnisse alle paar Monate in einem Report zusammen. Der Report ist öffentlicht auf

www.av-test.org
einsehbar. AV-Test wertet die Antivirenprogramme in den drei Kategorien Erkennungsleistung (Schutzwirkung), Geschwindigkeit und Benutzbarkeit und vergibt jeweils maximal sechs Punkte pro Kategorie. Da wir uns in diesem Test in erster Linie nur für den Virenschutz interessieren, haben wir nur diese Kategorie in unseren Test mit aufgenommen. Unter dem nachfolgenden Link können Sie aber aller Ergebnisse einsehen. Sie finden den kompletten Test mit insgesamt 19 Produkten

hier
. Der Testzeitraum war März bis April 2019.

SE Labs, https://selabs.uk 

Das britische Antiviren-Labor SE Labs fasst seine Testergebnisse in drei Werten zusammen: Erkennungsrate (Protection Accuracy), Fehlalarme (Legitimate Accuracy) und Gesamtleistung (Total Accuracy). Bei der Gesamtleistung fließen nicht nur die Werte aus den ersten beiden Kategorien ein, sondern auch noch weitere Ergebnisse, die beim Testen aufgelaufen sind. Als Beispiel nennt SE Labs die Methoden, mit der Schadcode gestoppt wird. So kann ein Antivirenprogramm eine verseuchte Website komplett blockieren oder nur den Schadcode auf der Seite. Da aber die Werte für Erkennung und Fehlalarme grundsätzlich in der Gesamtleistung enthalten sind, benoten wir diese nicht einzeln, sondern nur die Gesamtleistung.

Der Testzeitraum war Januar bis März 2019. Die kompletten Ergebnisse mit insgesamt 14 Produkten finden Sie unter

https://selabs.uk/en/reports/consumers
als PDF zum Download. Das PDF trägt den Titel „Home Antimalware Protection Jan – Mar 2019”.